400 Millionen Dollar für eine Kategorie, die im DACH-Raum noch fehlt

International entsteht gerade jene Infrastruktur, die wir im deutschsprachigen Raum aufbauen wollen: Business Creator Economy. Diese Woche zeigt exemplarisch, wie schnell sich dieses Feld international verdichtet, während der DACH-Raum noch kaum davon spricht. Ein Investment von bis zu 400 Millionen US-Dollar validiert das Geschäftsmodell direkt.

Dazu zeigt eine neue Studie, wie ungeordnet Unternehmen aktuell mit KI-Content umgehen. Und die erste globale Creator Week macht sichtbar, dass sich die Branche international bereits zu professionalisieren beginnt.

1. 400 Millionen Dollar für den Aufbau von Creator-Unternehmen

Steven Bartlett und die Authentic Brands Group haben mit OBSN ein neues Vehikel gegründet, das bis zu 400 Millionen US-Dollar investieren soll, um ausgewählte Creator zu eigenständigen, globalen Unternehmen auszubauen. OBSN verbindet Kapital, Content, Markenentwicklung, Produkte, Lizenzierung, Partnerschaften und internationale Distribution unter einem Dach. Bartlett und Authentic beschreiben die geförderten Creator dabei ausdrücklich als Unternehmer:innen mit komplexen Betrieben, nicht als Werbeträger.

Für uns ist das die bisher klarste externe Bestätigung unserer Business-Creator-These. Der eigentliche Wachstumsmarkt liegt nicht im Management von Reichweite oder Brand Deals, er liegt im Aufbau von IP-basierten Unternehmen rund um Personen. Genau das Problem, das OBSN lösen will, kennen wir aus dem DACH-Markt ebenso gut: Creator arbeiten heute mit vielen isolierten Partnern, deren Interessen selten aufeinander abgestimmt sind. OBSN positioniert sich deshalb bewusst als integrierter Partner, mit Strategie, Identität, IP, Content, Medien, Produkten, Partnerschaften und Management aus einem System.

Der internationale Markt beginnt, diese Kategorie mit sehr viel Kapital zu besetzen. Das macht unser Vorhaben wertvoller.


2. Fast jede dritte berufliche KI-Nutzung findet ausserhalb der Unternehmenssysteme statt

Eine repräsentative Befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft unter 5'000 Beschäftigten zeigt: 29,1 Prozent der beruflichen KI-Nutzer:innen greifen auf Tools zurück, die ihr Arbeitgeber nicht offiziell freigegeben hat. Besonders bemerkenswert ist eine Korrelation, die auf den ersten Blick paradox wirkt: In Unternehmen mit starkem Schulungsengagement liegt der Anteil sogar bei 44,5 Prozent, deutlich über dem Durchschnitt. Die Menschen wissen also längst, was möglich wäre, die interne Infrastruktur hält damit aber nicht Schritt.

Für uns heisst das: Corporate Content wird längst mit KI produziert, auch dort, wo Unternehmen noch keine brauchbaren Prozesse dafür besitzen. Ein Verbot verhindert weder die Nutzung noch austauschbare Texte, es verschiebt beides lediglich in unsichtbare, unkontrollierte Workflows. Für Executive Visibility und Corporate Influencer entsteht daraus ein Risiko in drei Schichten: Vertrauliches Wissen landet in privaten Tools, die gedankliche Autorenschaft wird nicht mehr nachvollziehbar, und Content entsteht ausserhalb jeder konsistenten Marken- und Qualitätslogik.


3. Die Creator Economy beginnt, sich institutionell zu organisieren

Vom 14. bis 18. September fand zum ersten Mal die globale IAB Creator Week statt, koordiniert über 17 nationale IAB-Verbände und Regionalorganisationen, darunter auch Deutschland. Im Mittelpunkt standen nicht Content-Trends, sondern Transparenz, Messbarkeit, Governance und professionelle Strukturen der Creator Economy.

Ein verbindliches Regelwerk oder ein neuer Branchenstandard ist aus dieser Woche bisher nicht hervorgegangen, deshalb wäre es übertrieben, bereits von einem Systemwechsel zu sprechen. Bemerkenswert ist trotzdem, welche Themen gerade international gleichzeitig priorisiert werden: Die Creator Economy professionalisiert ihre eigene Infrastruktur.

Während der etablierte Markt gerade erst beginnt, Standards für Kampagnen zu entwickeln, setzen wir bereits auf Business Creator als Unternehmer:innen. Diese Rolle ist im deutschsprachigen Raum noch nicht besetzt, und wir arbeiten daran, das zu ändern.


Branchenrauschen

Die bevorstehende DMEXCO wird Agentic AI, KI-Content und Creator Marketing gross spielen. Sie beginnt erst am 23. September, entsprechend sind Programmpunkte und Ausstellerversprechen noch keine Marktveränderungen. Relevant wird, welche Produkte, Partnerschaften und belastbaren Daten dort tatsächlich vorgestellt werden. Jasmin Karatas von RAW-R wird ebenfalls vor Ort und als Speakerin auf der Bühne anwesend sein.


Quellen